Dienstag, 10. September 2013

Makerblasen im Hackerspace

Makerspaces sind bekanntlich eine ganz tolle Sache und da ich auch schon immer einmal einen haben wollte, habe ich mich einer Gruppe von Leuten angeschlossen, die in Basel einen gründen wollen: die Starship Factory.
Bis dahin ging ich eigentlich davon aus, dass Makerspaces im Wesentlichen eine Entwicklung der Hackerspaces waren, welche mehr auf die Ebene der physikalischen Entwicklung arbeitet, aber auch auf das elektronische Verbessern und Erweitern von allem was einem so in die Hände kommt. Das entspricht auch der Erfahrung meiner Freunde. Wir haben bereits einige Hackerspaces besucht, welche sich mit 3D-Druckern, Lasern, Lötstationen, Nähmaschinen, Zuschneidetischen und dergleichen ausgestattet haben. Das prominenteste Beispiel ist wohl das RaumZeitLabor in Mannheim, welches eine Mischung aus Hackerspace und Makerspace darstellt.
Im Rahmen der Planung der Starship Factory haben wir dann das FabLab Zürich besucht, da unsere Recherche ergeben hat, dass die FabLabs die am meisten verbreiteten Makerspaces in der Schweiz sind. Dieser Besuch war sehr lehrreich und wurde auch im Factory-Wiki dementsprechend umfangreich dokumentiert.
Neben all den interessanten Eigenheiten und der schnell wachsenden Mitgliederliste des FabLabs Zürich war die Zusammensetzung des Publikums sehr interessant. Zuerst einmal hatten wir festgestellt, dass die Informatik dort von Laien gemacht wird; es gibt grundlegende Infrastruktur wie ein Blog und ein Projektmanagementsystem (Basecamp). Für die Kommunikation gibt es dann noch die passende Facebook-Gruppe. Alles über Drittanbieter gelöst.
Im Gespräch stellte es sich dann heraus, dass die meisten Mitglieder des Fablab Zürich Architekten sind; Informatiker sind so gut wie überhaupt nicht vertreten. Wir wurden dann über die FabLab-Organisation aufgeklärt, welche das Modell der Fablabs vom MIT vertritt. Diese FabLabs stellen eine ganz eigene Makerkultur dar, welche sich nicht aus der Hackerszene entwickelt hat. Der Grundsatz ist die Annahme, dass man mit einem 3D-Drucker, einer CNC-Fräse und einem Lasercutter annähernd alles herstellen kann. Ob man diese Ansicht jetzt vertritt oder nicht, es ist eine ganz eigene Kultur und hat sich völlig unabhängig von den Hackerspaces entwickelt.
Die Ansicht der FabLab-Architekten auf Hackerspaces ist ebenfalls interessant. Die Ansicht ist, dass dort hauptsächlich programmiert wird und Sicherheitslücken gebrochen, und dass dort Leute im T-Shirt mit Kapuze die ganze Zeit auf Bildschirme starren. Das finden die Architekten gar nicht so spannend und wollen es auch nicht unbedingt haben. Und so haben sich interessanterweise zwei sehr ähnliche Szenen parallel zueinander entwickelt, die nichts voneinander wussten, aber dieselben Ziele verfolgen. Vermutlich ein Paradebeispiel für eine Filterblase auf beiden Seiten.
Die interessante Aufgabe, vor der wir nun stehen, ist, diese zwei Kreise zu vereinigen. Das bedeutet für die Leute aus dem Hackerspace vor Allem, dass es sehr wichtig ist, dass die Kerninfrastruktur, also alles, was man für die Mitarbeit braucht, a) ansprechend und b) einfach zu bedienen sein muss.
Ausserdem heisst es, dass die Ansprüche an den sozialen Umgang miteinander, der in den Hackerspaces zeitweise etwas leidet, deutlich angehoben werden müssen. Mitglieder müssen freundlich sein und miteinander darüber reden, was ansteht. Man kann nicht davon ausgehen, dass sich neue Besucher einfach neben die Anwesenden setzen, den Laptop aufklappen und im IRC mit tippen. Oder ihre Projekte einfach durchführen und damit glücklich sind.
Es ist sehr zentral und wichtig, dass die Menschen miteinander soziale Kontakte knüpfen, damit eine emotionale Bindung an den Makerspace und seine Mitglieder entstehen kann. Gleichzeitig sind interessante und anspruchsvolle Projekte wichtig, denn das ist ja das Ziel eines Makerspaces. Was sonst noch wichtig sein wird, wird sicher interessant. Und ich hoffe, dass die Starship Factory nicht der letzte Ort sein wird, an dem versucht wird, die Brücke zwischen allen Subkulturen zu überwinden, welche sich für handwerkliches Arbeiten und Basteln interessieren.